Geschichte

Wenige Dörfer unserer näheren und weiteren Entfernung können eine Musikkapelle aufweisen, die auf eine so alte Tradition hinweisen kann, wie der Musikverein Leipferdingen. Der Musikverein "Polyhymnia" Leipferdingen wurde im Jahre 1864 gegründet. Das Wort "Polyhymnia" übersetzt bedeutet soviel wie "viel liebliche Musik". Der Musikverein spielt in der Oberstufe. Seit Jahrzehnten weist der Verein eine sehr ausgewogene Altersstruktur auf. Dabei haben sich die Verantwortlichen das positive Zusammenwirken von Jugend und Alter auf die Fahne geschrieben. Die Hauptaufgabe wird sein, die zahlreichen Jugendlichen als Leistungsträger weiter zu festigen. Die Kameradschaft steht dabei fest im Vordergrund.

Ein Bericht über all das was der Verein bisher geleistet hat, würde den Rahmen des Möglichen sprengen. Daher wird hier nur das wichtigste aufgeführt.

 

In der Festschrift des Musikvereines vom Juli 1964 heißt es unter anderem: "1903 wurde diese Musikgesellschaft durch eine Kapelle ersetzt, die mit 8 Mann in der Öffentlichkeit auftrat. Es waren dies: Karl Weh (Schuhkarle], Hermann Hornung, Leopold Hornung, Emil Hornung, Konrad Biehler, Adolf Lingg, Robert Lingg und Julius Lingg. Später wurde die Kapelle verstärkt durch Hinzugang von Bernhard Kleiner, Johann Weh, Franz Schilling, Adolf Speck und Anton Frank. Dirigent war der damalige Bahnhofsvorstand Daub der später durch Hermann Hornung ersetzt wurde. Durch ihn wuchs die Kapelle zur besonderen Beliebtheit der Dorfbewohner, so dass sie auswärts in Hattingen und in Zimmerholz auftreten mussten. Am 15. August 1908 war der damaligen Leipferdinger Kapelle eine hohe Ehre zuteil, sie durfte an dem 114ner Tag in Donauschingen zu Kaisers Ehren spielen (Regiment 114).


1909 wirkte die Musikkapelle am Gaukriegertag in Leipferdingen mit. Von 1912 bis 1914 - kurz vor Beginn des Ersten Weltkrieges -, da viele aktive Musiker zum Kriegsdienst gerufen wurden, stand das Vereinsleben still; ebenso in den Kriegsjahren. Nach dem großen Völkerringen 1914-1918 fanden sich pflichtbewusste und tatkräftige Männer, trotz der schwierigen Lage der damaligen Zeit zusammen, um eine Musikkapelle wieder ins Leben zu rufen. Diese Männer, die sich unter der Leitung des altbewährten Dirigenten der damaligen Zeit, Hermann Hornung, wieder zusammenfanden und musizierten, hießen: Hermann Hornung, Bernhard Kleiner, Johann Weh, Konrad Biehler, Emil Hornung, Leopold Hornung, Wilhelm Frank, Franz Frank, Fritz Hall, Jakob Feucht, Heinrich Riedmüller, Karl Hall, Theodor Hall, Anton Weh, Felix Huber, Erwin Fluck, Josef Mutzel, Franz Hornung und Severin Fluck. Vorstand war Nikolaus Riedmüller. Der Musikverein wuchs für die damaligen Verhältnisse zu einer stattlichen Kapelle und hatte in den Jahren 1932, 1933, 1934, durch die Gründung der allseits beliebten "Knabenkapelle" die größten Höhepunkte aufzuweisen. Langsam zerfiel die mit Mühe aufgebaute Knabenkapelle. Einer nach dem anderen dieser schneidigen Burschen wurde zum Arbeitsdienst eingezogen. Betreuer dieser Knabenkapelle war Theodor Hall und Vinzenz Weh. Während des Zweiten Weltkrieges ruhte die Vereinstätigkeit der Leipferdinger Musikkapelle.


Im Jahre 1947, als sich die Bevölkerung von den Schrecken des Krieges erholt hatte, waren es wieder tatkräftige Männer, an der Spitze Theodor Hall, Anton Weh und Karl Hall, die den Verein unter großen Opfern und mit viel Idealismus neu ins Leben gerufen haben. Zum Vorstand wurde Anton Weh bestimmt. Durch den Dirigenten Theodor Hall wuchs die mit vielen jungen Musikern besetzte Kapelle zu einem stattlichen Klangkörper zusammen, die der Namensgebung des Vereins (durch den damaligen Pfarre Brecht) "Polyhymnia" alle Ehre machten.


Im Jahre 1952 wurde Wilhelm Frank zum Vorstand gewählt. Langsam begann die Bevölkerung wieder zu feiern. Musikfeste wurden abgehalten an denen sich auch unser Musikverein rege beteiligte. So waren beispielsweise die größten Erfolge des Musikvereins nach dem Kriege die Teilnahme an den Wertungsspielen in Möhringen, Singen, Immendingen und Aach, wo die Kapelle mit den Noten vorzüglich bewertet wurde.


Das einhundertjährige Vereinsjubiläum im Jahre 1964 brachte für den Musikverein und die gesamte Gemeinde Leipferdingen 3 harmonisch verlaufende Festtage, die ganz im Zeichen der volkstümlichen Blasmusik standen. Ein recht ungewohntes, aber durchaus angenehm überraschendes Bild bot die Jubiläumskapelle mit ihren neuen Uniformen, die durch die weinrote Jacke, weiße Mütze und anthrazitfarbene Hose von den meisten in grau oder blau abgehaltenen Uniformen anderer Musikkapellen abstachen. Das Festbankett am Samstagabend brachte den ersten Höhepunkt, mit einem Konzert der Gastkapellen aus Watterdingen, Epfenhofen, Blumberg, Aach, Beuren/Aach und der Gemeindemusikkapelle Immendingen. Eine besondere Ehre erfuhr Bassist Anton Weh, der sich, so der Vorsitzende Josef Weh, in seiner 39jährigen Tätigkeit um den Musikverein verdient gemacht hat. Am Sonntag wurde nach dem feierlichen Gottesdienst um 9 Uhr die Totenehrung auf dem Friedhof abgehalten, die besonders den 16 aktiven Musikern galt, die im letzten Krieg nicht mehr heimkehrten. Am Nachmittag formierte sich bei drückender Hitze der Festumzug, angeführt vom Patenverein Watterdingen. In einer bunten Melodienfolge gaben die anwesenden Gastkapellen ein Mittagskonzert. Auch ein heftiges Gewitter konnte die Festvorträge nicht unterbrechen; am Abend war zum bunten Abend dem Verein wieder ein sommerliches Wetter beschieden. Im Laufe der Jahre erfreute der Musikverein nicht nur die einheimische Bevölkerung mit Konzerten aller Art, sondern unternahm auch Ausflüge und besuchte befreundete Vereine. Besonders erwähnenswert sind folgende Tatsachen:
Am 01.06.1969 nahm der Verein beim Wertungsspiel des Hegau-Musikverbandes in Konstanz teil. Das anstrengende Proben hatte sich gelohnt. Mit der Note "Erster Rang" wurde der Verein für das Pflichtstück "Für Frieden und Freiheit" von Haase-Altendorf und das Selbstwahlstück "Kalinka" von Majo ausgezeichnet. Im Gemeinschaftshaus des Pestalozzi-Dorfes Wahlwies wurde der Musikverein durch Verleihungsurkunde, die Bundespräsident Dr. Heinemann unterzeichnete hat, für seine über einhundertjährige Vereinsgeschichte, in welcher der Verein sich um die Pflege des instrumentalen Musizierens und damit um die Förderung des kulturellen Lebens in der Gemeinde verdient gemacht hat, im Jahre 1970 ausgezeichnet. Die Ehrung nahm das älteste aktive Mitglied Anton Weh aus der Hand des Regierungspräsidenten Dr. Person entgegen. Die Plakette, die mit dieser Urkunde verliehen wurde, zeigt auf ihrer Vorderseite Musizierende mit Lyra und die Inschrift: "Für verdienste um instrumentales Musizieren": Pro-Musica.
Am Bezirksmusikfest des Hegau Musikverbandes, Gruppe III, Randen, im Jahre 1971, das in Kommingen abgehalten wurde, kamen folgende aktive Musiker des Vereins für 25jährige Tätigkeit zur Auszeichnung: Wilhelm Biehler, Leonhard Frank, Reinhard Frank, Felix Huber, Herbert Riedmüller, Artur Speck, Ernst Speck, Reinhard Speck. Die goldene Ehrennadel für 40jährige aktive Tätigkeit erhielt Willi Joachim.


Am 04. Juni 1972 fand in Schwenningen/Baden das Verbandsmuiksfest des Hegaumusikverbandes statt. In der Mittelstufe beteiligte sich der Verein am Wertungsspiel und erhielt für das Pflichtstück "Impression" von Haase-Altendorf und das Selbstwahlstück "Bläservorspiel" vom Wertungsgericht die zweithöchste Auszeichnung und zwar den 1.Rang. Dieselbe Benotung bekam der Verein auch bei der Marschmusik-Bewertung. Mit der Zeit ging die Musikkapelle im Dorf dazu über, "Wunschkonzerte" durchzuführen, die großen Anklang fanden.
Am 15.07.1973 wurde der Aktive Erwin Weh beim Bezirksmusikfest des Hegau-Musikverbandes Gruppe III, Randen, in Büßlingen, für 40jährige aktive Zugehörigkeit im Musikverein mit der goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. Der Vorsitzende, Josef Weh, erhielt aus der Hand des Präsidenten des Verbandes, Herrn Seyser, für seine großen Verdienste um die heimische Blasmusik die Ehrennadel in Silber.


Das 110jährige Vereinsjubiläum vom 12.-15. Juli 1974 wurde in einem Ausmaß und mit einer Ausstrahlung gefeiert, wie selten zuvor ein Musikfest. Die Festtage brachten in musikalischer und geselliger Hinsicht den erhofften Erfolg. Nach dem Bieranstich, am Freitag, dem 12.7., traf man sich wieder am Samstagabend zum angesetzten Konzert mit der Bergmannskapelle aus Wasseralfingen, die in hervorragender Präzision Musik für jung und alt darbot. Höhepunkt der Festlichkeiten war ohne Zweifel am Sonntagmorgen der Festgottesdienst, verbunden mit der Uniformweihe. Der Jubelverein bot mit seinem neuen Gewand, schwarzer Hut mit weißer Feder, weinrote Jacke und schwarze Hose, ein stattliches Bild. Im Verlauf des Festgottesdienstes legte der Vorsitzende Josef Weh am aufgestellten Birkenkreuz auf der Festbühne in Gedenken an die gefallenen und verstorbenen Mitglieder einen Kranz nieder. Mit der großen goldenen Ehrennadel des Hegau-Musikverbandes wurden folgende Mitglieder ausgezeichnet: Wilhelm Joachim, Hubert Frank, Erwin Weh, Eugen Hornung. Das Mittagskonzert der Gastkapellen war eine echte Demonstration guter Blasmusik. Es konzentrierten die Kapellen aus Wiechs/Randen, Büßlingen, Schlatt/Randen, Hondingen, Harmonie Gutmadingen, Zimmerholz, Geisingen, Kommingen, Tengen, Aulfingen, Friedingen, Watterdingen, Kirchen-Hausen und Riedöschingen.
Am 27. April 1975 wurde beim Bezirksmusikfest Anton Weh für seine 50jährige aktive Zugehörigkeit zum Musikverein ausgezeichnet. Er erhielt die große goldene Ehrennadel des Verbandes und die große goldene Ehrennadel des Bundes Deutscher Blasmusikverbände. Endlich wurde wieder eine Jugendkapelle ins Leben gerufen. Die Jugendkapelle trat zum erstenmal bei den Einweihungsfeierlichkeiten der neuerstellten Festhalle, unter der bewährten Leitung ihres Dirigenten Klaus Speck, an die Öffentlichkeit. Der Ortsteil Leipferdingen stand am 21.-24. Mai 1975 im Zeichen der Blasmusik. Anlass war das 23. Bezirksmusikfest des Hegaumusikverbandes, Bezirk III, Randen. Beim Nachmittagskonzert wurden folgendes Mitglieder des Ortes ausgezeichnet: Werner Biehler, für 25jährige Zugehörigkeit zum Musikverein, mit der silbernen Ehrennadel. Für mehr als 10 Jahre ununterbrochene Tätigkeit in der Vorstandschaft erhielten die silberne Verdienstehrennadel: Dirigent Heribert Riedmüller, Vorsitzender Josef Weh, Ausschussmitglied Anton Weh und Schriftführer Siegfried Weh. Willi Joachim wurde für 20jährigen Dienst als Kassier mit der goldenen Verdienstnadel ausgezeichnet.

 

Den 1.Rang mit Auszeichnung in der Oberstufe erhielt die Jugendkapelle 1977. Einen Auftritt im Neckarstadion in Stuttgart fand 1983 statt. Den 1. Rang mit Belobigung in der Oberstufe wurde im Jahr 1983 und 1986 erreicht. Auch eine LP konnte 1984 aufgenommen werden. Im Jahr 1986 gab es eine Südwestfunkaufnahme "Heimatmusikanten". Das Verbandsmusikfest der Hegaumusikverbandes fand 1989 in Leipferdingen statt. Einen Auftritt hatte der Musikverein 1997 in San Remo. Im Jahr 2004 feierte der Musikverein das 140 jährige Bestehen in Verbindung mit dem Bezirksmusikfest und dem Brunnenfest.

 

Am Samstag, den 16.05.2009 nahm der MV "Polyhymnia" Leipferdingen am Wertungsspiel in Welschingen teil. Mit 86,6 Punkten erspielten sich die  Musiker/innen unter der Leitung von Andreas Fluck das Prädikat „mit sehr gutem Erfolg“ in der Oberstufe, der Wertungsklasse 4. Die Leipferdinger Musiker stellten ihr Können im Bereich konzertanter Blasmusik unter Beweis. Nach intensiver Probenphase reisten die 52 Musiker/innen mit ihrem Dirigenten Andreas Fluck nach Welschingen um sowohl das Pflichtstück „Imagasy“ von Thiemo Kraas als auch das Selbstwahlstück „Alpina Saga“ von Thomas Doss dem dreiköpfigen Jurorengespann und einigen Zuhörern vorzutragen. Am Sonntag überreichteVerbandspräsident Ulrich Kiecza dem Dirigenten Andreas Fluck die Urkunde und gratulierte dem Musikverein Leipferdingen für die sehr gute Leistung.

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